Daniel Karelly: „Aus einem aufrichtigen Schaffensprozess entsteht tendenziell Besseres“

Juni 18, 2021 | Producers & Artists

Ganz ohne Ausbildung an einer namhaften Institution oder einem Praktikum in einem legendären Tonstudio, ist Daniel Karelly heute erfolgreicher Produzent und Mischer. Sein fachliches Wissen ist das Resultat aus sechs Jahren intensiver Bandgeschichte, Learning-by-doing, der University of Youtube und einer großen Portion Neugierde. Erfahre mehr über seinen vielleicht nicht ganz gewöhnlichen Weg und warum für ihn smart:comp und smart:EQ 3 etwas Kumpelhaftes haben.

Daniel Karelly‘s musikalische Schaffensgeschichte begann mit Dub Step. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit der Musik von Metal Bands, eröffnete sich für ihn mit der Entdeckung von Dub Step eine Welt, die ihn zum Musik-machen inspirierte: „Dub Step war für mich eine Mischung aus den Moshpit-Teilen von Metal und wilden Transformer-Sounds. Die ersten Jahre habe ich mir das Leben extrem schwer gemacht und ohne Splice oder Presets böse Sounds gebastelt“, erzählt er. Daraus entwickelte Daniel sich zu einem Vollblut-Musiker, der sein Schlagzeugstudium im letzten Studienjahr abbrach und Teil der Band Rakede wurde, die unter Vertrag bei einem Major Label stand.

Wertvolle Zeit mit der Band

Obwohl sehr erfolgreich, verlief es mit Rakede nicht so, wie erhofft. Wo sich aber eine Türe schließt, öffnet sich bekanntlich eine andere – in Daniels Fall gleich mehrere. „Plötzlich merkte ich, dass ich mit den Fähigkeiten, die ich mir in sechs Jahren mit der Band auf Tour angeeignet hatte, fünf bis sechs verschiedene Skills anbieten kann. Zum Beispiel habe ich das während meiner Bandzeit entstandene Konzept der Umsetzung von elektronischer Musik mit einer Liveband – da waren wir echt Pioniere – schon einige Male für andere Künstler adaptiert. Ich berate und begleite sie dabei – vom Setup und Equipment über die Monitoring-Lösung.“

Lernen und lernen lassen

Doch sein Fachwissen hat er sich nicht nur ausschließlich durch die Arbeit als Bandmitglied angeeignet: „Ich hatte schon sehr wertvolle Mentoren auf meinem Weg, aber im Großen und Ganzen war es learning-by-doing. Ich habe mir Aufnehmen, Produzieren, Sounddesign, Mischen, etc. selbst beigebracht bzw. mit Hilfe der University of Youtube. Ich bin ein echter Nerd: Wo andere Netflix schauen, gebe ich mir jedes Tutorial und jede Gear Review, die herum kreucht und fleucht.“

Neben dem Fachlichen ist für Daniel aber der zwischenmenschliche Aspekt entscheidend: „Ich arbeite derzeit mit Till Lindemann von Rammstein. Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, was voll geil ist. Ihm ist scheißegal, was die Welt von ihm will. Er macht, was für ihn richtig ist. Das ist eine riesige Inspiration und eine Erinnerung daran, warum ich eigentlich Musik mache.“

Ohne Angst, ohne Ego

Daniel empfindet es als absolutes Privileg, Produzent/Mischer zu sein und damit auch noch Geld zu verdienen. Er erklärt: „Es ist ein endloser Fluss an Wissen und Einsichten, weil jeder einen anderen Musikgeschmack hat und anders über Musik denkt. Du bist der, der die Vogelperspektive hat und die Übersicht behalten muss. So kannst du bei Entscheidungen helfen. Das hat viel mit Kommunikation und Softskills zu tun. Jeder Mensch macht Musik aus der grundsätzlich egoistischen Haltung ‚Ich will mich ausdrücken‘. Du musst in deiner Rolle als Produzent/Mischer dein eigenes Ego verstehen, um sagen zu können ‚Ich verstehe vielleicht gerade nicht, was du willst, aber ich glaube an deinen Weg und folge dir, bis ich es wieder checke.‘“

Den Künstler und seine Entwicklung im Schaffensprozess zu respektieren und zu fördern, ist eine der Gründe warum er so geschätzt wird. „Es ist wichtig einen aufrichtigen Raum zu schaffen, ohne Angst, ohne Ego. Ich habe auf dieses Fronten oder Alphaenergien keinen Bock – jeder hat Struggles und ist nicht immer von Muse geküsst. Aus einem aufrichtigen Schaffensprozess entsteht tendenziell Besseres.“

Er sieht seine Rolle als Partner und Begleiter, der niemandem etwas aufs Auge drückt und sich zurück nimmt. Wenn er jedoch Einwände hat, dann kann er diese faktisch belegen. „Ich bin ein Anwalt der Frequenzen und des Möglichen. Wenn ein Künstler etwas will, das bereits in der Produktion verabsäumt wurde, dann wird es dünn“, so Daniel. Da er jeden Fehler als Künstler selbst erlebt hat, weiß er, was möglich ist und passt seine Kommunikation und Sprache entsprechend an. „Wenn ein neuer Artist bei mir sitzt und keine Ahnung von Frequenzen hat oder von Hall spricht, aber was anderes meint, dann ist bei mir noch lange nicht das Ende der Fahnenstange – ich war ja früher selbst in dieser Position.“

 

Kumpelhafte Tools

Als bekennender Gear-Nerd, der offen und interessiert neuen Entwicklungen begegnet, stieß Daniel dann irgendwann einmal auf smart:comp und smart:EQ 3. Beide Plug-in sind heute fixer Bestandteil seines Workflow im Studio. „Es ist ein traumhafter kommunikativer Austausch mit diesen Tools. Ich bekomme von smart:EQ 3 einen Vorschlag und entscheide ob ich das cool finde oder doch lieber tweake. Es ist kein Tool, das man blind wo draufklatscht. Es ist mehr wie ein Kamerad, der völlig egolos fragt: ‚Gefällt dir das oder nicht, kein Stress‘ – und er trifft fantastische Entscheidungen.“

smart:comp ist für ihn ein Kompressor, der sich durch seine Unaufdringlichkeit auszeichnet: „Keine Emulation kann, was smart:comp kann. Er hat so eine angenehme Unauffälligkeit, der Sachen herstellt, die ich wahrscheinlich mit drei Kompressoren nicht so geschmeidig hinbekommen würde. Für puren Charakter würde ich ihn nicht nehmen, aber auf einem Drum- oder Gesangsbus als letzte Instanz oder bei Vocals am Anfang um eine dynamische Range einzudämmen – dieser Kompressor ist one-of-a-kind. Beide Plug-ins finde ich überragend.“