Erste Schritte im Mastering

Januar 12, 2023 | How-to

Auf dem Weg eines Tracks – von der Idee bis zur Veröffentlichung – gibt es einen Schritt, der vielleicht mehr als alle anderen einem Buch mit sieben Siegeln gleicht: Das Mastering. Musik, die vor Jahrzehnten produziert wurde, erscheint heute als “remastered”, um modernen Standards zu entsprechen. Aber was genau umfasst dieses “remastered” eigentlich? Dieser Artikel hat das Ziel, dem Thema Mastering auf den Grund zu gehen: Was es ist, was es tut und wie es funktioniert.

Was sind die Vorteile von Mastering?

Mastering ist der abschließende Schritt in der Musikproduktion. Es dient mehreren Zwecken: Es führt das Musikstück aus der Mixing-Phase und gibt ihm den finalen Feinschliff bevor es hinaus in die Welt geht.

Lautstärke

Es existiert ein hartnäckiger Irrglaube, dass beim Mastering nur die Lautheit der Musik angepasst wird und die Dynamik dabei außen vor gelassen wird. Obwohl Lautheitsanpassungen sehr wichtig sind, geht es um weit mehr als nur darum.

Konsistenz zwischen Tracks

Nachdem ein Track gemischt wurde, kann es gut sein, dass er noch den letzten Feinschliff braucht – von einem weiteren (am besten objektiven) Paar Ohren. Damit kann sichergestellt werden, dass die Konsistenz der Lautheit und Dynamik eines Tracks zu den anderen Tracks einer EP oder eines Albums passt und mit anderen Veröffentlichungen mithalten kann.

Klangcharakter und spektrale Balance

Neben Lautheit, zählen auch Klangcharakter und spektrale Balance zu den Faktoren, die im Mastering optimiert werden, wenn es nötig ist. Obwohl diese beiden Qualitäten subjektiv sind, gibt es doch eine Reihe an Dingen, die zu bedenken sind, bevor man klangliche Veränderungen vornimmt.

Das Musikgenre spielt definitiv eine Rolle dabei, wie ein Track klingen sollte. Beispielsweise erwartet man von einem Popsong – der oft via Radio gehört wird – dass er “strahlender” gemastert wird, als ein Song, der ausschließlich für eine Clubumgebung produziert wird. Letzterer enthält wahrscheinlich deutlich mehr Sub-Bass.

true:balance zeigt ein Pop-Profil


Konsistenz über alle Wiedergabesysteme hinweg

Auch auf diesen entscheidenden Aspekt wird im Mastering geachtet: Tracks sollten so gut wie möglich auf allen Wiedergabegeräten „gut“ klingen, seien es Bluetooth-Lautsprecher oder riesige Festival-Anlagen.

Stereobild überprüfen

Im Mastering wird das Stereobild und die Mono-Kompatibilität eines Tracks überprüft, um sicherzustellen, dass alle Bass-Frequenzen (mehr oder weniger) mono sind und keine ungewollten Phasenverschiebungen im Frequenzspektrum vorkommen. Mastering-Profis führen manchmal aber auch Verarbeitungen im Stereobild in bestimmten Frequenzbereichen durch, damit das finale Produkt einen breiteren Sound erhält.

Finale Dateien exportieren

Das Format für die Veröffentlichung von Musik ist ebenfalls in den Mastering-Prozess miteinzubeziehen. Beispielsweise gibt es jeweils unterschiedliche Lautheits-Standards für Spotify, Vinyl, CD und Filmmusik. In manchen Fällen müssen gleich mehrere Mastertracks geliefert werden – jeder davon mit einer anderen Lautstärke und in einem anderen Dateiformat.

Welches Equipment ist für Mastering nötig?

Du hast vielleicht schon einige Bilder von Mastering-Studios gesehen, die eine Menge an Equipment und externer Hardware enthalten. Das war früher unbedingt nötig, um ein Album zu mastern. Zum Glück verlangt der Masteringprozess heute nicht mehr als einen Computer, eine DAW und das entsprechende Know-how. Der technologische Fortschritt hat es möglich gemacht: Mastering ist massentauglich geworden.

Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Dinge, die dir dabei helfen sicherer und effektiver beim Mastering zu werden.

Studiomonitore

Ein paar gute Monitore sind wohl das wertvollste Equipment in Mixing- und Masteringstudios. Doch auch die Vorteile eines akustisch gut klingenden, ausbalancierten Raumes sollten nicht unterschätzt werden.

Hörumgebung entsprechend behandeln

Ein schlecht ausgestatteter Raum kann ein Hindernis für akkurate Mastering-Entscheidungen sein. Daher herrscht auch die Überzeugung, dass ein gut klingender Raum wichtiger ist als die Lautsprecher. Ein ordentliches Paar Kopfhörer ist immer ratsam, aber letztendlich ist eine gute Hörumgebung wirklich Gold wert.

Metering plug-ins

Realistischerweise haben die wenigsten von uns weder den Platz, noch das nötige Geld um einen Raum mit Steinwolle und Schaumstoff auszukleiden. Jedoch gibt es Plug-ins, die eine Art von „Gehörkontrolle“ bieten und uns damit sicherer Entscheidungen beim Mastering treffen lassen. Mit sonible’s true:level und true:balance kannst du deinen Song mit einer entsprechenden Genre-Referenz oder sogar deinen eigenen Referenztracks vergleichen.

 

true:level mit zwei Referenztracks

Wie man einen Track mastert

Wie so oft in der Musikproduktion, gibt es auch beim Mastering keine knallharten Regeln, die garantieren, dass jeder Song auf magische Weise ein akustisches Meisterwerk wird – das wäre auch ein bisschen zu einfach! Stattdessen gibt es eine ganze Reihe an Zugängen und Konfigurationen für das Mastering, die aus unterschiedlichen Kombinationen von Tools und Techniken bestehen.

Nichtsdestotrotz kannst du jedoch einer Daumenregel folgen, um loszustarten und in Folge deinen Masteringprozess an die Bedürfnisse deines Audiomaterials anpassen. Wir schlagen dir nun eine vereinfachte Masteringmethode von Anfang bis zum Ende vor.

Referenzen

Wie beim Abmischen von Tracks unterstützt das regelmäßige Anhören von Referenztracks auch im Mastering dabei, den richtigen Weg einzuschlagen. Zusätzlich hilft es dir, deine Ohren “zurückzusetzen”. Lade ein paar Songs, die dem entsprechen wie dein finaler Track klingen soll, in deine DAW. Idealerweise sollten das Songs sein, die du gut kennst und die du dir bereits auf unterschiedlichen Wiedergabesystemen angehört hast.

true:balance mit zwei Referenztracks

Deine Ohren zu nutzen ist generell das Wichtigste, aber Metering Plug-ins wie true:balance und true:level geben dir auch eine visuelle Darstellung der Balance und des Levels deines Audiomaterials. Mit der praktischen Referenz-Funktion, die Teil beider Plug-ins ist, kannst du bis zu 8 Tracks vergleichen – alle innerhalb einer einzigen Plug-in-Instanz.

EQ

Im Kontext eines Masteringprozesses ist dir ein EQ gleich mehrfach dienlich: Oft ist ein parametrischer EQ das erste Tool in einer Masteringkette, da du mit ihm ungewollte Resonanzen und unnötiges Low-End, bei ca. 30Hz und darunter, entfernen kannst. Danach, kann ein klangfärbender EQ zum Einsatz kommen, mit dem du vorsichtig die Balance deines Tracks gestaltest. Gleichzeitig kannst du damit deinem Track noch etwas Wärme und Charakter verleihen.

smart:EQ 3

Hier ist es ratsam, den EQ vor einem Kompressor einzusetzen, damit der Kompressor nur auf jene Audiosignale anschlägt, die auch wirklich im finalen Master zu hören sind. Solltest du weitere Änderungen mit einem EQ nach dem Kompressor vornehmen wollen, musst du eventuell die Einstellungen deines Kompressors anschließend anpassen.

Kompression

Selbst wenn der Pre-Master bereits mit einem Kompressor bearbeitet wurde, ist es vielleicht trotzem nötig die Dynamik des Mixes im Masteringprozess zu überarbeiten, damit der Track wie eine in sich geschlossene Einheit klingt. Hier ist es das Ziel, den Mix einerseits “zusammen zu schweißen” und andererseits einzelne Peaks zu zähmen. Für Ersteres gibt es sogenannte “Glue Kompressoren” und für Letzteres eignet sich ein etwas färbender Kompressor. In dieser Phase gilt es, das Audiomaterial nur ganz vorsichtig mit einem Kompressor zu bearbeiten. Eine Gain-Reduktion zwischen ca. 1dB und 3dB sollte ausreichen – wenn nicht, gibt es ein Problem im Mixdown, das behoben werden sollte.

Saturation

Dieser Schritt ist nicht nötig, wenn du schon einiges an Klangfarbe und Charakter mit einem färbenden EQ und Kompressor dem Track hinzugefügt hast. Jedoch kann ein wenig Saturation (Sättigung) dabei helfen, deinen Mix mehr Leben einzuhauchen und ihn spannender zu machen, wenn er etwas zu dumpf oder flach klingt. Saturation kann den Track nach der Kompression noch mehr zusammenschweißen. Probiere ein paar Saturationstypen aus, um herauszufinden, was für deinen Track am besten funktioniert – vergiss jedoch nicht, dass hier nur sehr vorsichtig vorgegangen werden soll, um keine hörbaren Verzerrungen im Master hervorzurufen.

Limiting

Mit der bisherigen Menge an Kompression und Saturation sollte die Dynamik deines Tracks schon in guter Form sein. Der Einsatz eines Limiters bedeutet den letzten Dynamik- Feinschliff, mit dem du auch noch ein paar Dezibel hinzufügen kannst.

Sollte sich hier herausstellen, dass noch einiges an Gain-Reduktion nötig ist, gehe zum Kompressionsschritt zurück oder schau dir sogar noch einmal den Mix genauer an. Eine gute Daumenregel für das Limiting ist, die Gain-Reduktion so lange zu erhöhen bis du Verzerrungen hörst. Schraub sie dann um 1dB bis 2dB herunter.

pure:limit with gain reduction 

Metering

Aber wie laut sollte ein gemasterter Track sein? Ein Level-Metering Plug-in, wie true:level, zeigt dir die aktuelle Lautheit, Dynamik und Peak Levels deines Tracks an und sagt dir in welchen Bereichen die Werte liegen sollten. Da kein Goldstandard existiert, der immer passt, gibt es im Plug-in 20 Lautheitsreferenzen aus denen du auswählen kannst, damit du sicherstellen kannst, dass dein Track die richtige Lautheit für das angepeilte Ziel hat..

Weitere Verarbeitung

Der beschriebene Prozess ist nur ein Zugang von vielen für das Mastering eines Tracks und eine Zusammenfassung der am häufigsten eingesetzten Tools im Mastering. Es gibt noch andere Verarbeitungstechniken, die herangezogen werden können, falls es das Audiomaterial verlangt, wie beispielsweise Multiband-Kompressoren, Clipper, Stereo-Enhancer, etc.

Welche Qualitäten sollte ein gemasterter Track aufweisen?

Mit der vorsichtigen Bearbeitung der Dynamik, Balance und Lautheit deines Tracks und dem gleichzeitigen Vergleichen deines Fortschritts mit Referenztracks, solltest du schon weit gekommen sein.

Neben dem Referenzieren mit unterschiedlichen Tracks, ist es auch ratsam, dir A/B Vergleiche der Bearbeitung auf verschiedenen Wiedergabesystemen anzuhören. Kopfhörer, Laptop-Lautsprecher, Autoradio – alle davon sind nützliche Referenzen, da deine Musik sehr wahrscheinlich genau über diese angehört wird.

Jeder Track, der gemastert wird, sollte natürlich für sich schon großartig klingen, aber es ist auch wichtig ihn in den Kontext einer Veröffentlichung zu stellen, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie sich die Tracks zueinander verhalten. Wenn ein Track gut ausbalanciert ist und der Pegel stimmt, aber ein anderer zu leise ist und zu wenig High-End-Information enthält, sticht Letzterer negativ hervor.