Vergleich: Multiband Kompressor – Dynamischer EQ – Adaptiver EQ

Januar 10, 2018 | Know-how
Zu den größten Herausforderungen für Tontechniker – im Studio wie auch live – zählen variable Audiosignale, deren spektrale Verteilung sich über die Zeit (oder auch abhängig vom Pegel) stark ändern. Tools wie Multiband Kompressoren, dynamische Equalizer oder der adaptive Equalizer smart:EQ live erweisen sich hier als besonders nützlich.
Wie funktionieren aber die einzelnen Plug-in Formen im Detail? Welches ist das beste für so unterschiedliche Klangquellen wie die menschliche Stimme, Summen, Bus-Signale oder E-Gitarren? Und welche neuen Wege können Tontechniker und Produzenten mit dem adaptiven EQ gehen? Hier ein paar Antworten.

Inhalt

Multiband Kompressor

Wie er funktioniert

Kompressoren bearbeiten die Dynamik eines Signals – sie reagieren also auf den Eingangspegel. Beim Spezialfall Multiband Kompressor trennt eine Filterbank das eingehende Signal in unterschiedliche Frequenzbänder, bevor es auf mehrere und individuell steuerbare Kompressoren trifft. Die Bandbreite bestimmt dabei, wie die einzelnen Kompressoren auf das gesamte Spektrum verteilt werden.

signal flow chart compressor

Für jedes Frequenzband funktioniert ein Multiband Kompressor typischerweise nicht anders als ein gewöhnlicher Kompressor. So lässt sich sein zeitlichen Verhalten zumeist über die Parameter Attack, Release, Hold und Lookahead steuern, während die Übertragungsfunktion über die Parameter Threshold, Knee, Ratio und Make up Gain kontrolliert wird.

signal flow chart multiband compressor

Multiband Kompressor – Vorteile in der Praxis

Multiband Kompressoren eignen sich besonders, wenn bei variablen Signalen bestimmte Frequenzbereiche isoliert bearbeitet werden sollen. Das ist auf allen Summensignalen – wie Master Bus, Mastering, Instrumenten Gruppen – nützlich. Tiefe Frequenzen können so komprimiert werden, ohne dass die Höhen und Mitten im Verhältnis leiser wahrgenommen werden und der Mix vielleicht an Brillanz verliert. Hier erlaubt diese Spezialform von Kompressoren eine detaillierte Gewichtung einzelner Frequenzbereiche und schweißt anschließend die Einzelteile zu einem Ganzen zusammen.

Dynamischer Equalizer

Wie er funktioniert

Der dynamische EQ ist im Kern ein herkömmlicher parametrischer EQ. „Dynamisch“ ist er, weil der sonst statische Gain des Filters durch einen dynamischen Regelkreis ersetzt wird. Parameter wie Frequenz und Güte (Q) bleiben hingegen gleich. Je nach Design des Regelkreises kann ein dynamischer EQ sowohl pegelabhängige (over/under, Treshold, Range) als zeitliche Parameter wie Attack, Release und Hold besitzen.

signal flow chart equalizer

Der dynamische EQ ist im Kern ein herkömmlicher parametrischer EQ. „Dynamisch“ ist er, weil der sonst statische Gain des Filters durch einen dynamischen Regelkreis ersetzt wird. Parameter wie Frequenz und Güte (Q) bleiben hingegen gleich. Je nach Design des Regelkreises kann ein dynamischer EQ sowohl pegelabhängige (over/under, Treshold, Range) als zeitliche Parameter wie Attack, Release und Hold besitzen.

Dynamischer EQ – Vorteile in der Praxis

An leiseren Stellen lässt der EQ diese Bereiche unberührt, damit die Stimme nicht noch zusätzlich an Präsenz verliert. Umgekehrt eingesetzt kann er in leisen Passagen den selben Bereich anheben, damit die Stimme nicht zu dumpf klingt. So bleibt der Bereich in allen Lautstärken in einem angenehmen Mittel, ohne Druck zu verlieren.

Adaptiver Equalizer

Wie smart:EQ live funktioniert

Als dynamische Werkzeuge reagieren beide, Multiband Kompressor und dynamischer EQ, auf Veränderung im Spektrum des Signals. Leider lassen sich diese Veränderungen bzw. kritischen Frequenzbereiche vor allem im Live Kontext nicht (immer) eindeutig voraussagen. Die beiden gerade beschriebenen Tools erhöhen zwar die Flexibilität erheblich, trotzdem können noch unvorhergesehene Dinge auf der Bühne geschehen. Aus dieser Situation heraus, hat sonible smart:EQ live entwickelt. Dem adaptiven EQ liegen keine klassischen Regelkreise zugrunde, sondern ein musikalisch arbeitender Algorithmus, der „versteht“, was gerade klanglich passiert.

„Der musikalisch arbeitende Algorithmus ‚versteht‘, was gerade klanglich passiert.“

smart:EQ live ist ein adaptiver Software-EQ, der in Echtzeit Defizite im Frequenzspektrum ausgleicht. Er bedient sich bestimmter Bausteine, die nur in der digitalen Domäne funktionieren können. Anders als bei den vorhergehenden Beispiele, die sich im Kern aus Filter und Lautstärkenregelung zusammensetzen, geht die Gattung der adaptiven EQs gänzlich neue Wege. Sie interpretieren das Audiosignal musikalisch und schlagen erst dann eine sich ständig adaptierende Filterkurve vor. Der User kann sie – individuell gewichtet – an den gewünschten Stellen im Spektrum einsetzen.

Profiles informieren das Plug-in zunächst über die Beschaffenheit der Klangquelle. Dann fängt das Plug-in an, das Frequenzspektrum selbstständig und laufend anzugleichen. Dank einer ausgiebigen Parametrisierung des Algorithmus behält der User dabei stets das Steuer in der Hand. Man kann dem System unter anderem ein gewisses Zeitverhalten durch die Adaptionszeiten vorschreiben. Auch die Bandbreiten und wie diese reagieren sollen, legt der User im Detail fest. Die einzelnen Bänder zwängen das Signal also nicht durch im Vorhinein starr festgelegte Filter. Die Filterkurve verläuft nahtlos über das gesamte Spektrum und reagiert bloß dort, wo es wirklich notwendig ist.

smart:EQ live kostenlos testen

Adaptiver EQ – Vorteile in der Praxis

Der große Unterschied zu Multiband Kompressor und dynamischem EQ ist, dass man smart:EQ live als Anwender „bloß“ eine bestimmte Richtung – einen musikalischen Rahmen – vorgibt. Von dort aus geht das Plug-in den restlichen Weg alleine. Die detailliert ausgeführte und komplexe Filterkurve passt sich in Folge laufend an und sorgt in jeder Situation für ein ausgewogenes Klangbild. „Set and forget“, wie man so schön sagt. So deckt des Plug-in praktisch jede klangliche Situationen ab, weil es nicht Parameter-zentriert, sondern content-bewusst arbeitet.

„smart:EQ live funktioniert content-bewusst anstatt Parameter-zentriert und deckt so praktisch jede klangliche Situation ab.“

Will man etwa nur die „nasale“ Klangfarbe einer Gesangstimme bei lauten Passagen korrigieren, genügt es, nur im Mitteltonbereich rasche Adaption zuzulassen. Da im Tief- und Hochtonbereich keine raschen spektralen Veränderungen zu erwarten sind, sorgen hier langsamere Adaptionszeiten für einen stabileren Gesamtklang. Längere Adaptionszeiten können sich für E-Bässe eignen, die zwar eher statisch sind, aber momentane Zupf- oder Slide-Geräusche aufweisen.

So ist smart:EQ live nicht nur auf jede Situation vorbereitet, sondern das Ergebnis bleibt auch stets musikalisch. Er gibt Stimmen mehr Brillanz, sondern fungiert auch als leistungsstarker De-Esser. Eine Gitarre, die zwischen clean und verzerrt wechselt, gibt er in beiden States ein ausgeglichenes Spektrum. Auch auf der Summe holt smart:EQ live noch das Letzte heraus.