Smarte Einblicke

April 19, 2019 | How-to

Wie K.I. funktioniert ist oft nur schwer begreifbar. Es ist tatsächlich so, dass es auf den ersten Blick rätselhaft ist, was die Technologie macht, wenn es um Mixing und Mastering geht. Wir versuchen K.I. ein wenig greifbarer zu machen, indem wir erklären, was im Hintergrund von smart:EQ 2 passiert und ein paar Anwendungsbeispiele geben.

EQing ist typischerweise eine sich wiederholende Aufgabe, die viel Zeit kosten kann: anhören, problematische Frequenzen finden, Anpassungen vornehmen, erneut anhören … Wiederholung über Wiederholung. Wenn es um darum geht die repetitiven Aufgaben im Mixing und Mastering zu erledigen, können mit K.I. ausgestattete Tools diesen Zeitaufwand erheblich verringern. Gleichzeitig können sie häufig präziser eingreifen als Menschen. Wie geht das? Im Detail steckt dahinter jede Menge Technik und komplexe Algorithmik. Wir wollen hier kurz erklären, was im Großen und Ganzen passiert, wenn man auf den Lern-Knopf von smart:EQ 2 klickt.

smart:filter im Einsatz

Das Herzstück von smart:EQ 2 ist der smart:filter, ein K.I. basiertes Filtermodul. Grob zusammengefasst passiert folgendes bei der Aktivierung des Filters: Der smart:filter analysiert und vergleicht die Energien in unterschiedlichen spektralen Regionen des eingehenden Signals. Dabei lernt er von den zeitlichen und spektralen Mustern, die diese Energien kreieren. Die Entscheidung, welche Frequenzen als störend (beispielsweise ungewollte Resonanzen) empfunden werden und welche angehoben werden müssen, basiert auf mehreren komplexen psychoakustischen Modellen sowie Erfahrungswerten aus jahrelanger Mixing-Praxis.

Nach Berücksichtigung aller Muster, Werte, etc. generiert die K.I Technologie in smart:EQ 2 eine maßgeschneiderte Filterkurve, die eine natürlich tonale Balance herstellt.

Da sich Musik vor allem durch Kreativität und ihre Einzigartigkeit auszeichnet, ist nichts in Stein gemeißelt, wenn das intelligente Feature eingesetzt wird. Es zwingt dem Audio Material keine Veränderungen auf, die nicht rückgängig gemacht werden können. Es macht eine Art Vorschlag, der angenommen werden kann oder auch nicht. Eine große Anzahl an Tests hat aber ergeben, dass die Resultate der automatisch berechneten Filterkurve der Arbeit von professionellen Toningenieuren erstaunlich ähnlich ist.

smart:EQ 2 Zugänge

Es gibt viele Zugänge zum Einsatz von smart:EQ 2, aber zwei sind besonders typisch:

Einige Personen nutzen die smart:filter Funktion, um die EQing Routinearbeit zu erledigen, bevor kreativ gearbeitet wird. Für manche ist das Herstellen der tonalen Balance auch bereits genug – abhängig von der Qualität des Ausgangsmaterials und was erreicht werden will.

Viele wollen jedoch eine natürliche tonale Balance als Basis für kreatives Arbeiten herstellen – wie ein Maler, der eine perfekt gefertigte, leere Leinwand für seine Arbeit braucht. Der minimale Zeitaufwand, den der smart:filter für die Korrektur von tonalem Ungleichgewicht braucht, ist unschlagbar. In Sekunden analysiert er das eingehende Signal und generiert eine entsprechende Kurve.

Ein weiterer Zugang ist der Einsatz von smart:EQ 2 für einen Feinschliff nachdem EQing und kreatives Arbeiten erledigt sind. So, als ob man ein eindrucksvolles Gericht zubereitet und alles auf einem Teller angerichtet hat. Vor dem Servieren sorgt smart:EQ 2 für einen makellosen Tellerrand. Da die Feingliedrigkeit der berechneten Filterkurve die Möglichkeiten von manuellen Eingriffen übertrifft, sind auch seine Feinschliff-Fähigkeiten unübertroffen.

Beispiele: Was smart:EQ 2 macht

Stimme

Gesang bzw. Stimmen tendieren oft dazu etwas „mumpfig“ zu klingen. Um einem Track Brillanz zu geben, müssen daher häufig Frequenzen im unteren Mittenbereich ein wenig reduziert und im oberen Mittenbereich angehoben werden.

Gerade Änderungen in den unteren Mitten können heikel sein. Balance ist hier der Schlüssel: Entfernt man zu viel geht Körper verloren und ist man zu zaghaft, bleibt der eher dumpfe Klang erhalten. In diesem Beispiel nimmt smart:EQ 2 (Profil: Speech) ausschließlich die problematischen Frequenzen mit chirurgischer Präzision heraus.

Das Fehlen von Präsenz wird im oberen Mittenbereich korrigiert. smart:EQ 2 hebt die Energie in diesem Bereich an und schafft damit mehr Klarheit und Präsenz.

Gitarre

Manchmal klingen Gitarrenaufnahmen dumpf. Im Allgemeinen ist hier oft ein spektrales Ungleichgewicht vorhanden. Ziel ist es, eine ausgewogene spektrale Balance herzustellen.

Händisch könnte im vorliegenden Beispiel etwa ein Tilt-Filter eingesetzt werden (der jedoch oft etwas grob ist) sowie mehrere Bell Filter, um die problematischen Bereiche zu korrigieren.

Um den dumpfen Klang loszuwerden und Brillanz zu gewinnen, hebt smart:EQ 2 (Profil Acoustic Guitar) die Region um 5kHz bis 20kHz an. Dabei erhält das Audiomaterial einen luftigeren, brillanteren Klang. smart:EQ 2 reduziert zudem problematische Frequenzen im unteren Mittenbereich – und damit das Dröhnen – aber erhält den Körper (bei ca. 200 Hz).

Schlagzeug

Wenn die Kick Drum zu dünn, die Snare Drum zu schwach und der Track generell ein wenig hohl klingt, ist das kein ungewöhnliches Problem – viele haben damit zu kämpfen. Ziel ist es hier, der Kick mehr Punch und der Snare mehr Attack zu geben.

smart:EQ 2 (Bass Drum Profil) hebt den Bereich zwischen 60Hz und 100Hz an, um der Kick mehr Punch zu geben. Problematische Frequenzen im unteren Mittenbereich sind verantwortlich für den hohlen Klang der Kick und der Snare. Diese Frequenzen, die oft für „Unordnung“ sorgen, werden von smart:EQ 2 entfernt. Die schwache Attack der Snare Drum wird von smart:EQ 2 durch einen Boost im oberen Mittenbereich (2k bis 4k) besser akzentuiert.

 

Spezifische Profile wählen

smart:EQ 2 enthält Profile für die smart:filter Funktion. Bei entsprechender Auswahl, werden die spezifischen Charakteristika unterschiedlicher Instrumente und Signale bei der Berechnung des Korrekturfilters berücksichtigt. Neben vordefinierten Factory Profilen, können auch eigene Profile erstellt und gespeichert werden, die genau deinem Mix Stil entsprechen.