Pænda: “Beherrsch‘ dein Zeug”

November 21, 2019 | Producers & Artists

Als wir die österreichische Künstlerin Pænda für ein Interview in ihrer Wohnung in Wien treffen, werden wir sofort herzlich empfangen. Es ist ein Leichtes sich vorzustellen, wie die charismatische Künstlerin live ganze Menschenmengen mit ihren Elektropop-Songs mitreißt. Pænda – Gabriela Horn – zog viel Aufmerksamkeit auf sich und ihre Musik als sie dieses Jahr Österreich auf dem Eurovision Song Contest vertrat. Die Teilnahme beim größten Musik-Wettbewerb in Europa war ein entscheidender Meilenstein für die Künstlerin, jedoch ist er nicht der einzige in Pænda’s Karriere. Von ihren Erfahrungen und ihrem Mindset kann man einiges lernen.

Pænda veröffentlichte bereits zwei Musikalben, zwei Singles und eine Promo-CD ihres Songs „Limits“ – mit Letzterem trat sie beim Eurovision Song Contest an. Bevor Gabriela zu Pænda wurde, kam ihre Kunst aber nicht so gut beim Publikum an. „Ich habe schon immer Musik gemacht. Ich glaube, ich habe lange Zeit versucht jemand zu sein, der ich nicht bin und niemand wollte meine Sachen hören. Als ich Pænda wurde, habe ich mich hingesetzt und mir gedacht, ich will machen, was ich liebe – zu meinem eigenen Vergnügen. Dann, als meine Single „Waves“ 2017 herauskam, haben die Leute begonnen mich zu bemerken und meine Songs wurde im Radio gespielt. Da wurde mir klar, dass alles anders als zuvor ist.

Unterschiedliche Rollen

Sobald man Pænda’s idyllisches Heimstudio betritt, spürt man nahezu, dass hier kreativ gearbeitet wird. Der Raum besitzt Charakter und jedes Gerät und Instrument hat hier seinen fixen Platz. Organisiert zu sein, nicht nur was ihr Umfeld betrifft, sondern auch was die Kreation eines Songs oder Albums anbelangt, ist für die Künstlerin entscheidend. Vom Songschreiben, Komponieren und Arrangieren bis hin zu Gesangs- und Instrumentalaufnahmen sowie Produktion – Pænda macht vieles selbst. Damit sie nicht Gefahr läuft sich zu verzetteln, ist ihre Strategie, unterschiedliche Rollen im Schaffensprozess einzunehmen. „Für eine gewisse Zeit bin ich nur Musikerin. Da kann ich mit unzähligen Ideen herumprobieren – hier ist es auch nicht wichtig ob sie kommerziell verwertbar sind oder nicht. Dieser Zeitraum ist aber limitiert“. Anschließend wird sie zur Produzentin. In dieser Phase bestimmt sie, was die starken Elemente eines Songs sind – sei es eine Melodie, ein Beat oder ein Synthesizer-Stück. Alles was unproduktiv und unwichtig ist, wird verworfen.

Verantwortung wahrnehmen

„Als nächstes werde ich zum Toningenieur. Wenn ich in dieser Rolle stecke, dann ist es mir ziemlich egal, ob es kreativ gesehen cool ist, was ich mache oder der Produzent in mir sagt, dass es gut klingt oder nicht. Es muss nur alles technisch korrekt sein.“ Da Pænda die Verantwortung für ihre Songs sehr ernst nimmt, weigert sie sich ihre Songs schlecht aufbereitet an den Mixing und Mastering Ingenieur weiterzugeben. „Ich weiß, dass es vielen Musikern egal ist, in welchem Zustand ihre Projekte sind, wenn sie sie dem Toningenieur geben. Aber mir ist es nicht egal. Ich finde, dass der Ingenieur seine Zeit nicht damit verbringen soll, Dinge loszuwerden, um die man sich selbst hätte kümmern sollen. Er soll lieber seine Zeit darin investieren, das Beste aus meinen Songs zu holen.“ In der letzten Phase dieses Prozesses nimmt sie noch einmal alle Rollen ein, um zu entscheiden, wo noch etwas fehlt oder was verändert werden muss.

Selbst gemachte Erfolge

Dieser Zugang funktioniert sehr gut für die Künstlerin. Pænda’s zweites Album „Evolution II“ ist das Ergebnis ihres Bedürfnisses nach Unabhängigkeit – sich nicht auf Produzenten oder andere Musiker verlassen zu müssen um kreieren zu können. „Dieses Album war die erste Sache, die ich wirklich alleine machen wollte. Ich wollte wissen, wie weit ich mit nur meinem Know-how kommen kann. Ich habe mich dabei selbst überrascht. Es war ein riesiger persönlicher Erfolg, dass ich fähig war ein Album selbst zu produzieren – ausgenommen das finale Mixing und Mastering, das ist aber auch genauso geraten, wie ich mir das vorgestellt habe.“

Niemand ist eine Insel

Für Pænda bedeutet Unabhängigkeit nicht, dass sie die Zusammenarbeit mit anderen Personen ausschließt oder deren Unterstützung nicht zu schätzen weiß. „Ich führte schon öfters die Diskussion, ob man ein Musiklabel braucht, um erfolgreich zu sein. Mit all den Möglichkeiten die wir heute haben, sind viele Künstler der Meinung, dass man kein Label braucht. Ich denke, vor allem als Pop-Künstlerin, dass man ohne Geld oder Kontakte nicht konkurrenzfähig ist. Für mich ist es notwendig ein Label zu haben, das mir Zugang zu wichtigen Kontakten gibt.“

In Unabhängigkeit investieren

Auch ihr Heimstudio ermöglicht es Pænda unabhängig zu sein, aber der Preis dafür ist wortwörtlich hoch. „Ich bin Teil der Popmusik-Industrie; die Standards sind sehr hoch und man braucht eine hochwertige technische Ausstattung. Also ist es wichtig zu investieren, wenn man sich dafür entscheidet die Dinge selbst zu machen. Das sollte man wirklich bedenken, wenn man Musik in seinem eigenen kleinen Studio macht.“

In Ausstattung zu investieren, beginnt schon mit den Basics wie beispielsweise guten Lautsprechern oder Kopfhörern. Pænda weiß, wie man sich helfen kann, wenn das Geld knapp oder die Umstände ungünstig sind. „Wenn du keinen Zugang zu wirklich guter Ausstattung hast, die es dir ermöglicht richtig gut zu hören was du tust, musst du dein Zeug beherrschen. Also ist es wichtig zu lernen, wie man einen Equalizer oder Analyzer liest. Dann braucht man auch keine Hightech-Geräte – weil man sieht, was man tut.“ Dieser Workaround ist generell ein sehr schlauer Ratschlag.

 

Nervenaufreibende Momente

Pænda hat in ihrer Laufbahn als Musikerin schnell erkannt, dass es sehr wichtig ist, zu wissen was man tut. Dennoch ist die Künstlerin nicht gegen den Einsatz A.I. gestützter Plug-ins, mit denen man förmlich per Knopfdruck Resultate erreicht. „Ich finde es cool, dass diese Art von Technologie den Leuten die Möglichkeit gibt, sich sehr schnell in den Prozess einzufinden und sie dadurch unabhängiger werden. Aber ich muss auch sagen, wenn man sich zu sehr darauf verlässt oder nicht einmal versucht daraus zu lernen und nicht weiß was man eigentlich tut, kommt man ziemlich schnell an einen Punkt, an dem man steckenbleibt. Melodien, Ideen und zu wissen, wie und ob Klänge zueinander passen, kommen nicht von künstlicher Intelligenz. Diese Tools helfen dir nervenaufreibende Momente zu vermeiden, die unnötig viel Zeit rauben. All den Leuten, die glauben alleinig mit dem Wissen wie man solche Tools bedient Superstars zu werden, kann ich nur sagen: So funktioniert es nicht – sorry.“

Als wir uns zum Interview trafen, arbeitete Pænda gerade an einem DJ-Set für ein Electronic Music Festival auf dem sie am nächsten Tag auftrat. Das Projekt stellte sich als Herausforderung dar und auf Grund des Zeitmangels, mussten diverse Probleme schnell gelöst werden. „Das Ding mit diesem DJ-Set aus meinem eigenen Zeug ist, dass ich es mit sehr unterschiedlichem Audio Material zu tun habe. Fünf Songs kommen vom einen Toningenieur, fünf von einem anderen und zwei kommen von mir aus Originalproduktionen. Das Ganze war nicht wirklich ausbalanciert und die unterschiedlichen Lautstärken waren ein Problem. In diesem Fall habe ich smart:comp auf dem Master angewendet und das Plug-in vom dichten Signal eines Remix-Teils lernen lassen. Es hat mir richtig viel Zeit gespart und mir sozusagen den Arsch gerettet.“

Freudige Ergebnisse

Pænda ist auch von smart:comp’s Sidechain Modus mit frequenzselektivem Ducking begeistert. Sie erzählt uns, dass sie sehr gerne Pads einsetzt. Da sich ihre Stimme aber viel in den höheren Mitten bewegt, ist Layering sehr schwierig. „Extrem viele Pads klingen nur gut, wenn sie sich in einem bestimmten Frequenzbereich bewegen und das ist jener, wo auch meine Stimme ist. Das war immer ein großes Thema in meinen neuesten Produktionen und ich musste mir entweder etwas anderes einfallen lassen oder richtig gut aufpassen, dass die Pads meiner Stimme nicht im Weg sind. Was smart:comp macht, ist dass es nur die Frequenzbereiche ducked, in denen auch meine Stimme liegt.“ Pænda zeigt uns ein Beispiel und ihre Freude ist ansteckend, als sie sagt: „Obwohl das Stimmbeispiel nicht wirklich klar ist, hört man einen großen Unterschied und es klingt so viel transparenter.“